Zwischen-Abrechnung mit Ingress

Ich bin nun seit etwa drei Monaten Ingress-Spieler. Und was hat es mir gebracht?

Zum Einen: Ich bin tatsächlich wesentlich öfter draussen. Was ich diesen Sommer auf den Gurten geradelt bin, um die Portale da oben zu hegen und zu pflegen und grün zu halten (oder erstmal grün zu bekommen) – ein Blick in meine Runkeeper-Akte dürfte dir die Erkenntnis gewähren, dass ich wirklich mehrmals die Woche auf dem Gipfel des Berner Hausbergs war.

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PowerPoint steuern mit der Kinect

Da habe ich doch vor ein paar Wochen unter der Überschrift „Bricks’n’clicks“ glatt eine goldene Bloggerregel gebrochen: Niemals zwei Themen in einem Beitrag behandeln. Deswegen hast du nämlich gar nicht mitbekommen, dass ich an einem Vortrag meine PowerPoint-Präsentation mittels der Kinect gesteuert habe. Aber guck, es geht wirklich:


Naja, am Vortrag selbst hat es dann natürlich nicht funktioniert. Murphys Gesetz und so. 5 Minuten vorher klappte alles noch wunderbar, danach auch wieder (@sdeinhofer kann es bezeugen) – nur zu dem Zeitpunkt, wo es eigentlich geplant war, versagte die Technik.

Oder der Mensch davor. Denn vielleicht lag es an der verstärkten Flüssigkeitsemission meines Körpers (die bedingt war durch meine Aufregung, für meine Abteilung zu etwa 80 Leuten zu sprechen), dass sich ein Schweissfilm über meine Haut legte, der wiederum sämtlichen Lichteinfall reflektierte und mich so für die Kinect-Sensoren unsichtbar machte. Eventuell kann man dieses Prinzip ausweiten und dank Aufregung und Schwitzen grundsätzlich unsichtbar werden? Oder wenigstens eine Fata Morgana auf seiner Körperoberfläche erzeugen, die einen tarnt? Das U.S.-Militär arbeitet bestimmt schon an solchen Technologien.

Die DPRK setzt dann die Billigvariante davon um und wickelt ihre 200 Millionen Soldaten einfach in Alufolie ein.

Bild einer Luftspiegelung auf Facebook

Zum Schluss noch ein vollkommen unmotiviertes Bild, wie ein Bus von BernMobil durch meine schöne Luftspiegelung fährt. Hoffentlich hat er kein virtuelles Aquaplaning bekommen.

Mobile-Payment – muss das sein? Und wenn ja, wie viele?

Von Mobile-Payment (offenbar auch M-Payment genannt – hat aber nix mit der Migros zu tun) habe ich – wie von so vielem – nicht wirklich Ahnung. Also quasi ideale Voraussetzungen, um darüber zu bloggen. Hier darf ich ja, denn mein Internet ist nicht geborgt.

Momentan sind viele Unternehmen, auch oder vor allem Start-ups, auf der Suche nach der richtigen Lösung für Mobile-Payment. Mein Arbeitgeber mischt auch ein wenig mit (jedenfalls meint das der Tagesanzeiger), und irgendwie habe ich sogar schon mal den Begriff „Payment-Olympiade“ gehört. Olympiade, interessant. Sind wohl alle am Rennen zum Ziel, aber am Ende müssen sich die meisten trösten mit einem euphemistischen „Dabeisein ist alles“.

So ist es zum Beispiel Google ergangen, die mit ihrem Wallet vorerst nicht unbedingt gescheitert sind, aber das ganze Konzept doch nochmal neu überdenken müssen. Die guten Nachrichten daran: a) Google steht finanzell so gut da, dass es sich einfach mal einen 300-Millionen-Dollar-Flop leisten kann, und b) cool, so können wir alle aus Googles Fehlern lernen. Echte Pionierarbeit also. Danke, Google.

Und was ist nun schiefgelaufen? Zum einen hatte Google wohl mit den anfallenden Transaktionsgebühren zu kämpfen, d.h. Google hat bei jeder Transaktion draufgezahlt. Für mich leitet sich daraus die Regel ab: Wer mit Mobile-Payment Erfolg haben will, ist entweder selber schon eine Bank – oder wird eine (und führt alle Transaktionen selbstständig durch). Alternativ hat er ein verdammt gut ausgetüfteltes Drumherum, mit dem er die Verluste, die das eigentliche Payment verursacht, wieder ausgleicht und zu schwarzen Zahlen werden lässt (mir fielen da ein paar Ansätze ein – aber pssssst …)

Die andere Sache ist, dass Mobile-Payment zwar eine schöne Idee ist, aber nur die Anbieter, nicht jedoch die Benutzerinnen danach rufen. Das ist so ein bisschen wie bei der Zahlung mit EC-/Maestro-Karte: An jeder Kasse in deutschen Supermärkten steht geschrieben, dass Zahlen per EC-Karte ja so bequem ist, weil es viel schneller geht als Kleingeldsuche des Kunden und anschliessende Wechselherausgabe durch das Kassenpersonal. Tatsächlich geht diese Rechnung nur auf beim etwa 105 Jahre alten Opa, der wirklich auf den Cent genau passend zahlen möchte und jede Münze gefühlte 10 Minuten einzeln aus seinem Portemonnaie fischt. Bei jedem anderen schlägt der Prozess a) irgendeinen Schein raussuchen, dessen Wert grösser ist als die zu bezahlende Gesamtsumme, b) Eingabe des Geldscheinwertes durch das Kassenpersonal, c) Errechnen des Wechselbetrages durch das Kassensystem und d) Zusammensuchen und Herausgabe dieses Betrages durchs Kassenpersonal an den Kunden immer noch den Vorgang

  1. Karte ins Lesegerät an der Kasse einstecken
  2. Eingabe der PIN durch den Kunden (an die er sich vorher erstmal natürlich erinnern muss)
  3. Warten, bis eine Daten-/Internetverbindung von Karte und Kassensystem zu den Bezahlsystemen im Hintergrund aufgebaut ist (und das kann dauern)
  4. Checken der Bonität des Kunden
  5. positive Rückmeldung (im Idealfall) und Abbuchen des Zahlbetrages

Dieser Vorgang kann natürlich beliebig in die Länge gezogen oder n-mal wiederholt werden durch a) nicht-ausreichende Bonität des Kunden auf der einen Karte und das damit verbundene Kundenfeedback: „Moment, ich benutze eine andere Karte“ (bzw. „Gestern ging sie doch noch.“), aber vor allem durch b) „Wie rum muss ich die Karte jetzt reinstecken?“ – „Nee, so ist falschrum. Einmal drehen.“ – „So?“ – „Nee, noch einmal drehen.“ (Weshalb gibt es eigentlich keine Karten, die man nur auf eine Weise ins Lesegerät stecken kann? Die Gimmicks in den Ü-Eiern schaffen es doch auch, dass die Bauteile eine eindeutige Steckrichtung haben.)

Jedenfalls, so richtig toll ist das Zahlen mit Plastikkarte bei kleinen Beträgen und an jeder Kasse nicht wirklich. Der eigentliche Vorteil von EC- und Kreditkarten ist: Ich als Benutzer habe (theoretisch) jederzeit beliebig viel Geld dabei, ohne es als Bargeld mitführen zu müssen (das Ganze im Rahmen meiner Bonität). D.h. wenn es mich unterwegs mal spontan nach einer grösseren Anschaffung und Ausgabe dürstet, kann ich diese auch vornehmen. Klasse, dafür liebe ich meine Karten.

Was ist nun der Kundenvorteil beim Mobile-Payment? Momentan möchte uns ein Grossteil der M-Payment-Anbieter weismachen, dass es doch toll wäre, wenn der Wust an Plastikkarten (Kredit- und Loyalty-Karten) in unseren Brieftaschen verschwinden würde. Aber mal ehrlich: Wie viele Menschen hast du schon mal klagen hören: „Oh Mann, mein Portemonnaie ist so schwer mit all diesen Kreditkarten darin! Mir tut schon mein Kreuz weh und in meinen Jacketts sind alle Innentaschen ausgerissen von dem Gewicht!“ Wenn ich jedes Mal, wo ich eine ähnliche Klage vernommen hätte, einen Rappen bekommen hätte, dann … ja, genau, 0 Rappen wären zusammengekommen.

Bill Ready (mir bisher vollkommen unbekannt, aber offenbar CEO einer Firma namens Braintree Payment Solutions) bringt es in diesem Interview sehr schön auf den Punkt: Es gibt einfach keinen „pain point“ des Benutzers beim Bezahlen an der Kasse im Geschäft:


Denn man hat auch selten Leute an der Kasse sagen hören: „Hach, jetzt muss ich schon wieder mein Portemonnaie aus der Tasche holen und dann darin noch das Bargeld oder die richtige Karte finden!“ Ganz im Gegenteil, beim Bezahlen mit Mobilgeräten entstünde noch ein neuer „Pain Point“: Man wird abhängig von einer verfügbaren Internetanbindung – und noch mehr als bisher schon vom elektrischem Strom. Hat es eins davon nicht, ist’s Essig mit dem Bezahlen. Und wie oft haben wir allein schon bei den SBB Reisende, die mit der App SBB Mobile ihr Ticket gekauft haben, es dann aber wegen einem zu niedrigen Handyakkustand im Zug nicht vorweisen können?

Übrigens steckt im Rest des oben angeführten Interviews steckt auch schon der Hinweis, wo die heutigen Benutzer wirklichen Schmerz fühlen – beim Bezahlen im Internet. Das fühlt sich derzeit etwa so an:


Warum kann man beim Bezahlen in Online- und Mobile-Shops nicht einfach eine virtuelle Währung aus der virtuellen Brieftasche ziehen, sondern muss sich an Benutzernamen, Passwörter und andere Zugangscodes erinnern, die bei jedem Onlineshop auch noch unterschiedlich sind? Ist doch fürchterlich. Kein Wunder, spricht Bill Ready von einer Abbruchrate von 66 bis 75% bei Einkauferlebnissen auf mobilen Endgeräten.

Fazit:
Man soll immer positiv denken: Herausforderungen gibt es noch genug. Wir im EDV-Umfeld werden uns sicher weder langweilen noch arbeitslos werden. Und super fände ich, wenn es mal eine Second-Screen-Lösung gäbe für Payment: Wie geil wäre das denn, wenn ich zwar an einem beliebigen Desktop-Rechner in einem Online-Shop stöbere und meinen Warenkorb fülle, beim Checkout (neudeutsch für „Bezahlen“) aber mein Handy zücken und mit den darauf hinterlegten Daten bezahlen kann – ohne Eingabe von „Username“ und „Password“, sondern einfach durch Entsperren meines Smartphones mittels Eingabe der PIN.

Da fällt mir ein, ich wollte ja auch nochmal was zu Second Screen bloggen …

Wo bist du denn gerade?

Warum habe ich eigentlich damals diesen Artikel über einen Verkehrsunfall im Berner Umland gepostet? Der hatte doch gar nichts mit digitalem Leben zu tun!

Auf den ersten Blick vielleicht. Den zweiten Blick mache ich mal selbst, und da merke ich (und gebe offen zu), dass ich einfach vergessen habe, den Zusammenhang herzustellen.

Denn als wir damals vom Notruf gefragt wurden, wo genau wir bzw. die Unfallstelle denn sind (bevorzugt wurden GPS-Angaben), da waren die Augen gross: Trotz Google Maps und anderen Apps auf den anwesenden 4 Smartphones konnte niemand seine genauen GPS-Koordinaten auslesen und mitteilen. Daher blieb es bei der Angabe “Irgendwo auf der Bergstrasse zwischen Belp und Chutzen“ und man konnte froh sein, dass diese Strasse keine Abzweigungen hat. So mussten die Rettungskräfte sie einfach nur abfahren und irgendwann stiessen sie schon auf uns.

Screenshot der In-App-Ortsangaben

Screenshot der In-App-Ortsangaben

Aber was macht man, wenn man mal wirklich irgendwo ist, irgendwas Schlimmes passiert und man möchte einem Rettungsdienst mitteilen, wo genau man zu finden ist? Hier empfehle ich die Rega-App für Android und iOS. Damit kann man nicht nur auf einfache Art Notrufe absetzen, sondern unter dem direkt zugänglichen Menüpunkt „Ortung“ auch seine genauen Positionsdaten auslesen – wahlweise als GPS-Angaben (in verschiedener Notation) oder im Swiss-Grid-/CH1903-Format (ja, die Schweizer betrachten ihr Land so positiv, dass sie sich ein eigenes Koordinatensystem zugelegt haben).

Screenshot des Home-Screens auf meinem Android

Screenshot des Home-Screens auf meinem Android

Also, installier dir die App, damit du immer schnell alle notwendigen Angaben parat hast. Ich hab sie mir, da ich oft allein mit dem Mountainbike unterwegs bin, sogar in die Schnellstartleiste meines Android-Handys gepackt.

Länger draussen dank Social Media und Gamification

Ein sehr kluger Mann (nämlich dieser hier) hat Anfang des Jahrtausends unsere Computer mal als „Freizeitvernichtungsmaschinen“ bezeichnet. Ein Klassiker; ich finde diesen Begriff bis heute absolut passend. Man macht stundenlang Dinge daran, und am Ende weiss man weder, was man ursprünglich erledigen wollte, noch hat man wirklich irgendwas anderes fertiggebracht.

Neuestes Opfer der Freizeitvernichtung: Meine Streckenzeiten beim Mountainbiken. Regelmässig fahre ich mit dem Mountainbike auf den Gurten, Berns Hausberg, und natürlich auch wieder runter. Hoch dauerts etwa 45, runter knapp 20 Minuten. Aber die meiste Zeit geht inzwischen für die Phase dazwischen drauf. Da will nämlich die Social-Media-Maschinerie bedient werden.

Früher war der Moment nach Erreichen des Gipfels dafür da, kurz zu verschnaufen und vielleicht ein oder zwei Fotos zu machen (wobei das Motiv meist mehr oder weniger das Gleiche ist, nur die Jahreszeiten wechseln oder es gibt auch mal was ganz anderes). Inzwischen ist das Foto aber Pflicht, denn wenn ich oben auf dem Gurten angekommen bin, muss ich erstmal bei Foursquare einchecken, damit auch alle „Freunde“ sehen, dass ich wirklich wieder da hochgestrampelt bin. Mit Foursquare lässt sich das Foto gleich auf Facebook und Twitter sharen, aber Google+ will separat bedient werden. Dann vielleicht noch ein Schnappschuss auf Instagram, und neuerdings kommt zusätzlich Ingress dazu. Und Ingress kostet Zeit!

Eine ganze Stunde habe ich letzten Sonntag auf dem Gurten verbracht, um verlassene Portale für meine Faction, die grünen Enlightened, zu gewinnen und Resonatoren rund um Portale der blau gezeichneten Resistance zu schädigen. Aber gut, am Ende hatte ich immerhin ein neues, grün leuchtendes Feld für meine Fraktion aufgespannt:

Ein aufgespanntes Feld der "Erleuchteten" auf dem Gurten

Ein aufgespanntes Feld der „Erleuchteten“ auf dem Gurten

Andererseits hat dieses Ingress auch ein Gutes: Nun muss ich noch öfter auf den Gurten fahren, um meine Resonatoren wiederaufzuladen und die grünen Portale zu schützen. Ich vermute mal, so drei- bis viermal die Woche muss ich wohl jetzt immer da hoch. Meine Mutti würd’s freuen: „Spiel doch mal draussen“, sagte sie doch oft, als ich noch jung und fremdbestimmt war.

Hoffentlich finde ich für die Portale bald die richtigen Schlüssel, so dass ich sie auch aus der Ferne schützen kann.

Gamification – Erklärung und einige Beispiele

Ich bin ja inzwischen ein grosser Fan von Gamification. Selber spiele ich extrem selten am Computer (und mit „selten“ meine ich „eigentlich nie“), aber Gamification finde ich klasse.

Kurz zur Definition:
Für mich heisst Gamification, dass man Aufgaben, die sowieso erledigt werden müssen, um Komponenten erweitert, die dem Ganzen auch noch ein bisschen Spass abringen. Das kann dann ganz schön motivierend wirken, Dinge zu erledigen, die man sonst gar nicht gerne macht, z. B. mal den Müll rausbringen. Volkswagen hat vor ein paar Jahren einen Ideenwettbewerb gestartet zu der Frage, wie man lästige Alltagshandlungen per Gamification attraktiver machen kann. Die Ergebnisse sind noch heute online verfügbar unter thefuntheory.com

Dies ist die einfachste Variante von Gamification. Die zweite Stufe besteht darin, Leute überhaupt erstmal dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie ohne Gamification gar nicht angehen würden. Joggen und andere Sportarten zum Beispiel (und vorher natürlich Laufschuhe kaufen $$). Nike hat dies vor ein paar Jahren sehr schön vorgemacht mit einem globalen virtuellen Laufwettbewerb zwischen Frauen und  Männern. Nike+ hiess es schon damals, und mit dem Nike+ Fuelband stacheln sich auch heute noch Opfer des digitalen Hebels gegenseitig zu Höchstleistungen an.

Die schwierigste und beeindruckendste Variante aber ist, Leute via Gamification dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie sonst auf keinen Fall tun würden! Und durch den Spielgedanken sogar zu verschleiern, was man da eigentlich macht.

Googles Augmented-Reality-Spiel Ingress ist dafür aktuell das beste Beispiel. Nachdem Google die Welt abfotografiert hat (Street View), soll sie nun auch vermessen werden. (Ganz nebenbei: „Die Vermessung der Welt“ ist ein tolles Buch!) Aber anstatt wieder eigene Autos und Mitarbeiter loszuschicken (viel zu teuer), kann man das ja alle anderen erledigen lassen: What Google’s new augmented reality game “Ingress” is really about

Dass man sich dabei permanent tracken lässt, obwohl es bei dem Spiel nicht mal etwas zu gewinnen gibt (das ist ja fast wie bei Foursquare), ist natürlich datenschutztechnisch irgendwie problematisch. Das sagt sogar Sascha Lobo, und dann muss es ja stimmen.

Egal, ich spiele das trotzdem erstmal mit, denn wie gesagt – das Prinzip der Gamification und was man damit bewirken kann fasziniert mich einfach zu sehr. Ausserdem bin ich so glücklich, dass ich endlich, nach Wochen, wenigstens mal die Grundregeln verstanden habe und anwenden kann.

Screenshot vom Menü der Ingress-App auf FacebookScreenshot vom Ingress-Spielfeld auf Facebook

Blut, Schweiss, keine Tränen

Zugegeben, als mich die Kollegin @biniPhone vor drei Wochen fragte, ob wir eine geführte Mountainbike-Tour machen wollten, war ich skeptisch. Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, dass man während eines gerade mal eintägigen Ausflugs in die Schweizer Berge eklatant viel Neues über Fahrtechniken lernen würde.

Gestern hat mich @samfanky auf einer Tour durchs Berner Jura und auf den Chasseral dann eines deutlich Besseren belehrt. Als Bikeguide von goldenbiketours.ch hat er uns gezeigt, wie wir auf Wegen, die wir bis zu dem Tag NIE UND NIMMER runtergefahren wären, die Kontrolle über unsere Velos behalten und nicht nur heil, sondern vor allem auch mit einem breiten Grinsen im Gesicht unten ankommen. Schmale Trails über Wurzeln, Steine und Stufen, die zwar Einiges an Konzentration und Armmuskulatur beanspruchen, aber gleichzeitig auch dem inneren Schweinehund eine schallende Ohrfeige geben, sowie sicheres Auf- und Absteigen am Berg, ohne dabei vom Velo getrennte Wege Richtung Abgrund zu nehmen, waren absolut wertvolle Lerneinheiten! Die Spitzkehren klappen inzwischen auch besser, wenn sie nicht gerade überaus spitz und besonders kehrig sind.

Icke auf einer der Abfahrten vom Chasseral.

Schöne Bilder hat er auch noch gemacht, unser Bikeguide.

Nach diesen Erfahrungen bin ich fast ein wenig traurig, dass es bei mir in unmittelbarer Umgebung „nur“ Gurten, Ulmizberg und Belpberg hat. Die haben meines Wissens keine derart anspruchsvollen Abfahrten. Vielleicht der Ulmizberg, aber die entsprechende Strecke ist derzeit Diskussionsgegenstand und daher gesperrt. Ob ich mich mal auf die Downhillstrecke vom Gurten wage?

Materialtechnisch könnte ich das locker, denn neben viel Wissenswertem über Fahrtechnik gab es als spezielles Schmankerl noch ein Justieren der Fahrwerke an unseren Full-Suspension-Bikes. Nun sind meine Feder- und Dämpferelemente ideal auf mich eingestellt und ich kann Einiges mehr wagen als zuvor. Ausserdem hat unser Bikeguide noch die Einstellung meiner Bremsgriffe optimiert, so dass ich auf stressigen Abfahrten nun wesentlich mehr Kontrolle über meinen Lenker habe als davor.

Das kann der Mann, deshalb hat er inzwischen in der Berner Matte auch eine Velowerkstatt eröffnet: das Veloflicki. Was du dort so kaufen kannst, zeigt dir die Webseite www.veloflickibern.ch.

Fazit: Wer beim Mountainbiken irgendwie „den nächsten Schritt“ wagen möchte (entweder überhaupt mal aufs Bike oder vom Anfänger zum Fortgeschrittenen oder noch weiter), aber es alleine nicht hinbekommt, der sollte auf jeden Fall solch eine wertvolle Tour buchen. Dafür nenne ich auch gern nochmal die URL von Goldenbiketours: www.goldenbiketours.ch

Für ganz krasse Fälle (wie mich z. B.) gibts unterwegs auch noch einen Gratis-Powerriegel dazu 😉

Bricks and clicks

„Bricks and clicks“ ist auch so ein Ausdruck, den ich (wie „digitale Hebel“) während meiner Arbeit bei den SBB kennenlernen durfte. Kurz gesagt geht es darum (jedenfalls nach meinem Verständnis), die Online- und die Offline-Welt zu verbinden und daraus Anwendungen oder sogar Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ach guck mal, Wikipedia sieht das auch so.

Bricks and clicks habe ich in den letzten zwei Wochen auch etwas gemacht. Allerdings mehr offline, deshalb war hier online nicht so viel los. Sorry dafür; ich weiss, du hast mich vermisst.

Was genau habe ich gemacht? Zum einen habe ich meinen ersten Dealini-Gutschein eingelöst und mit 50% Rabatt dieses wunderschöne Fahrrad erstanden:

Foto vo mim nöie Velo.

Bitte beachte auch den Zalando-Schokoboten unten rechts im Bild.

Gut, das kombinierte Fixie/Singlespeed-Velo ist für die minimalistische Ausstattung schon vergleichsweise schwer (13,5 kg), aber so stand es ja auch ganz ehrlich in der Beschreibung (die jetzt offline ist, da der Deal beendet ist). 690 CHF hätte ich dafür sicherlich nicht ausgegeben, aber für 345 CHF (zzgl. 29 SFr. Versandkosten) hat man ein schönes, stylishes Velo für die Stadt. Mir ist der Rahmen leider einen Tick zu gross, deshalb bleibe ich bei meinem alten Cannondale und mein Sohn (der inzwischen einen Kopf grösser ist als ich) kann hiermit im Sommer die Chicks klarmachen (Clicks and Chicks?).

Und ab Mitte Juli werde ich dann auch die neue Dealini-Karte mittesten dürfen. Da bin ich sehr gespannt.

Viel wichtiger als mein Shoppingerlebnis ist aber, via Bricks and Clicks auch meinen nächsten Vortrag vorbereitet zu haben. Dank Microsoft Kinect und dem Open-Source-Projekt Kinesis kann ich nun Powerpoint-Präsentationen via Gesten steuern. Glaubste nicht? Guck doch selber:

Online (sprich: hier im Blog) ist auch ne Menge passiert. Nämlich ungefähr 10 Millionen Kommentare und Trackbacks. Blödes Spamming. Aber ich habe meinen WordPress-Spezialisten @Wisi bereits um Rat gefragt und bald kannst du hier wieder kommentieren, ohne dass ich deinen Beitrag erst umständlich freigeben muss.

Bist du stolz auf mich? Ach, ich weiss. Danke. Aber @Wisi und das Growmap Anti Spambot Plugin haben doch die eigentliche Arbeit gemacht.

Ich bin trotzdem toll.

Standert vs. Standard

Ach weesste, diese janzen Hipster, die kannste doch ooch alle inne Pfeife rauchen!

Da war ich letzte Woche im Berliner Eis- und Fahrradladen Standert und sach zu dem Typen hinterm Tresen, dass ich nen Nippel- bzw. Speichenspanner brauche. Fragt der mich (ganz wie man es sonst nur aus Baumärkten kennt, wo das Personal lieber sein überlegenes Wissen raushängen lässt anstatt einen zu beraten): „Watt denn für einen?“

Sach icke: „Ja, so für ganz normale Speichen, wie an dem Rad hier.“

Er wieder: „Ja, also, it jibt so viele vaschiedene Speichen, da könnt ick jetzt glatt filosofisch wern.“

Sach icke: „Naja, ditt Fahrrad, für wo ick ditt brauche, steht draussen. Wir könn‘ also ooch kieken jehn.“

Sacht er: „Ick hab sowieso keene Speichenspanner da, seh ick gerade.“

Naja, Hauptsache, du hast ma klugjeschissen, wa?

Jeh ick in den nächsten Laden ums Eck, die Fahrradstation in der Auguststrasse. Sach ick: „Ick brauch nen Nippelspanner fürt Velo von meene Freundin.“

Antwortet der: „Den roten oder den schwarzen?“

Jenau. Mehr braucht et nämich ja nich, wenn man nich mit Super-Sonder-Spezial-Speichen unterwegs ist. Die beeden Nippelspanner, der rote und der schwarze, finden sich sogar als Foto im Wikipedia-Artikel.

Unkompliziert und hilfreich. Danke, Fahrradstation. Und Standert – vielleicht komm ick nochmal uffn Eis vorbei. Aber damit habta ja ooch oft so eure Probleme.

Sag mir deinen Namen, und ich sage dir, wie du heisst.

Stell dir vor, du setzt dich in einen Nachtzug von Berlin nach Basel. Unter dem Sitz vor dir liegt ein iPhone, augenscheinlich herrenlos. Der Sitz ist leer, das iPhone hat aber einen Akkustand von 100%. Kann also noch nicht so lange da liegen (maximal 10 Minuten, wenn ich die aufgeregte Jagd von Kollegen nach iPhone-Ladegeräten jedes Mal im Büro richtig beobachte).

Was machst du? iPhone einstecken und sich über die Gratisbeigabe freuen? NIEMALS! Schweinmann, wenn du so denkst.

Nein, die korrekte Antwort ist: Du freust dich, dass der Besitzer zwar eine Sperre in sein Handy eingebaut hat (so dass nicht jeder in sein Adressbuch etc. reinschauen kann), der Startbildschirm hierfür jedoch ein Foto des Besitzers zeigt. Dann stehst du auf, schlenderst ein paar Meter durch den Zug, siehst jemanden, der dem Menschen auf der Fotografie verdammt ähnlich sieht, gehst an seinen Platz und sagst: „Sie sind der einmillionste Besucher meiner Webseite und haben damit ein Gratis-iPhone gewonnen! Echt jetzt, kein Witz. Klicken Sie hier!“

… und hältst ihm sein iPhone zum Klicken hin. Freut er sich.

Ich mache jetzt auch ein Bild von mir auf den Sperrbildschirm meines Android-Handys. Im Moment ist da der Himmel über Korsika zu sehen, und der wäre in einem ähnlichen Fall wenig hilfreich.

Aussagekräftige Fotos von mir gibts zur Genüge.